Custom ROM
- 5 Minuten - 932 WörterAus aktuellem Anlass: Entwicklerverifizierung seitens Google gefährdet freie Entwicklung von Android-Apps
Der zu Alphabet gehörende Konzern Google als Hauptentwickler des Smartphone-Betriebssystems Android plant ab September 2026 nur noch verifizierte Entwickler zum Ökosystem zuzulassen. Da Google – zuerst mit dem Versprechen gestartet, ein offenes (sowohl weitestgehend vom Programmcode als auch von der Möglichkeit, beliebige Software auf dem Smartphone ausführen zu können) System begründet hat (ja, nach einem Aufkauf der ursprünglichen Entwickerfirma) und mittlerweile immer mehr Einschränkungen – mit der Sicherheit der Nutzer begründet – einführt und datenschutztechnisch kritisch zu betrachten ist, stellt die Ankündigung eine sehr viel weitergehende Beschränkung der Kundenrechte dar.
Es gibt auch eine Petition auf Change.org und da ich es als wichtig erachte, Alternativen zu haben – auch im Hinblick auf eine Unabhängigkeit von einem US-basierten Konzern, der quasi vom Abgreifen und Verarbeiten der Kundendaten lebt – habe ich diesen Eintrag meinen Betrachtungen zum Them Android OS & Co. vorangestellt.
Mit Klick auf den Banner im Kopf, kann der Leser weitere Informationen erhalten.
Die Anfänge: Fairphone 2
Mein erstes Smartphone habe ich tatsächlich erst 2019 gekauft. Es war ein Fairphone 2, das refurbished für ca. 300 EUR direkt vom Hersteller angeboten wurde. Es war wie neu, keine einzige des Gebrauchs, weder auf dem Bildschirm noch am Gehäuse. Kurz danach wurde das Modell Fairphone 3 vorgestellt (das FP2 war zu dem Zeitpunkt seit knapp 4 Jahren auf dem Markt).
Ich bis durchaus technikaffin und interessiert, hatte mich aber bis zu dem Zeitpunkt mit dem Kauf zurückgehalten. Mir reichte ein SonyEricsson ohne Datentarif; Telefonieren und SMS war alles, was ich brauchte.
Als Betriebssysten des Fairphone 2 habe ich – nach sehr kurzer Nutzungszeit des FairphoneOS getauften, weitgehend ballastfreien Google Android 7 – die weitgehend Google-freie Alternative vom Hersteller selbst, names Fairphone Open OS verwendet. Dieses wurde meines Wissens noch auf die Android-Version 9 aktualisiert, was ein Novum unter den Herstellern darstellte, da die Hardware ja bereits recht betagt war (jedenfalls nach den damaligen Maßstäben). Eine Zusammenarbeit mit dem Hersteller des SoC (Silicon-on-Chip, also des Hauptprozessors) hatte das Upgrade ermöglicht. Die monatlichen Sicherheitsupdates versiegten aber irgendwann, sodass ich mich entschlossen habe, eine Alternative auszuprobieren, die diese Sicherheitsaktualisierungen noch eine Zeit lang versprach: LineageOS.
Entstanden ist LineageOS als Fork (also eine Abspaltung) des als Modifikation des von Google zur Verfügung gestellten offenen Codes für das Android-Betriebssystem entwickelten CyanogenMod nach dessen Niedergang nach einer erfolglosen Kommerzialisierung/Monetarisierung. Eine große Entwicklergemeinde hat sich gebildet und es wurden Installationsdaten und -Anleitungen für mehrere Hundert meist ältere Smartphone- und Tabletmodelle bereitgestellt.
Unter Anderem wurde der Code für das Fairphone 2 auf Basis von Android 11 erstellt, allerdings ohne die proprietären Teile der Firmware, für die der Hersteller (s.o.) aktiv hätte werden müssen. Nachdem auch hier die Updates nicht mehr erschienen, habe ich – mittlerweile weit mehr als „nur zum Testen“ das Smartphone nutzend – nach weiteren Alternativen gesucht und diese in murenaOS, bzw. /e/OS gefunden. Hier sollten noch zumindest einige Monate lang Updates erscheinen, was auch bis etwa Mitte 2024 geschah. Danach hat sich kein Maintainer mehr gefunden und es gab/gibt nur noch unoffizielle Versionen (bis etwa Januar 2025), die aber lt. Forenposts nicht mehr stabil liefen. Nach über neun Jahren ist also Schluss.
Das Fairphone (2) ist (updatetechnisch) tot, es lebe… das Fairphone (5)
Da ich das Smartphone weiterhin nutzen wollte/will, musste notgedrungen etwas neues, das noch unterstützt wird, her: es wurde wieder ein wiederaufbereitetes (wieder ohne jegliche Nutzungsspuren) Fairphone, diesmal die Version 5 (kurz nach Einführung des Fairphone, also der sechsten Version). Ausstattungstechnisch, qualitativ und geschwindigkeitstechnisch ein großer Sprung: die Fotos sind nicht mehr verrauscht, ein OLED-Bildschirm, 5G, NFC, ein Fingerabdrucksensor sind an Bord. Es bleibt die Modularität und leichte Reparierbarkeit, bzw. Austauschbarkeit von wesentlichen Komponenten, inkl. des Akkus.
Geliefert wurde das Gerät mit einem sauberen Google Android 15, aber da ich – wie erwähnt – bereits lange Alternativen schätzen gelernt habe, wurde hier wieder /e/OS, ebenfalls auf Basis von Android 15 installiert.
Murena bietet einen Web-Installer, der in einem Blink-basierten Browser (also Google Chome, Chromium, Opera, Microsoft Edge) läuft. Dieser Weg hat bei mir nicht fuktioniert: es gab/gibt anscheinend einen Fehler, der zu einer Boot-Schleife führt ☹️
Es gibt aber Abhilfe in Form eines Skripts, das – angepasst an das Modell – automatisch /e/OS auf einem ebenfalls mit einem USB-Kabel verbundenen Smartphone fehlerfrei installiert. Nach einigen Minuten begrüßte mich der Startbildschirm. Als einzige Hürde, die noch zu nehmen wäre, ist das Wieder-Sperren des Bootloaders, was sichheitstechnisch besser wäre, mich persönlich aber nicht stört.
Ein Google-Smartphhone weitgehend Google-frei?
Zum Test habe ich über refurbed ein ebenfalls gebrauchtes (auch ohne sichtbare Spuren) Google Pixel 7a erstanden, da ich ursprünglich GrapheneOS – ein sehr auf Datenschutz getrimmtes Android-Derivat – darauf installieren wollte. Es kam anders: im aktuellen (März 2026) c’t-Heft wurden dem Thema mehrere vergleichende Artikel gewidmet, dort wurde eine weitere Option beschrieben: iodéOS von einem ebenfalls (wie murena) französischen Hersteller. Hier gibt es für ausgewählte Modelle (umfasst das o.g. genannte Pixel 7a) sogar einen nicht-browserbasierten Installer für alle drei großen PC-Betriebssysteme (Linux, macOS, Windows).
Nach dem Einschalten des Developer-Modus unter dem werkseitig installierten aktuellen Android 16 und dem Entsperen des Bootloaders hat das Installationsprogramm nach ein paar Klicks auf Weiter und einigen Reboots (des Telefons) das aktuelle iodéOS 7.3 (entspricht ebenfalls LineageLOS 23, bzw. Android 16) auf das Phone gehievt.
Ein schneller Vergleich zwischen dem von mir bereits seit Längerem genutzten /e/OS und iodéOS zeigt oberflächlich nicht viele Unterschiede, optisch sind beide recht klar und nüchtern, technisch ist iodé wohl besser/weiter datenschutz-orieniert, dafür ist mein Nutzer-Profil aber wohl nicht breitgefächert genug.
Eine gute, wenn auch mittlerweile etwas veraltete Analyse aller Custom-ROMs hat Mike Kuketz in seinem Blog vorgestellt.